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Zu den Editionen

Zur LAUFSCHRIFT 14
Dossier Sorbische Literatur

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Dossier Junge
deutschsprachige Lyrik

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Dossier Junge
Venezolanische Poesie

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Dossier Juan Gelman

Zur LAUFSCHRIFT 8
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der nahe ferne Rand

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Migration

Zur LAUFSCHRIFT 1
50 Jahre Kriegsende

 

 
Zur LAUFSCHRIFT 13

„Los!“ In großen Lettern prangt der Startschuss für die neueste Ausgabe auf dem Cover des einzigen Fürther Literaturmagazins LAUFSCHRIFT. Ganz in Weiß ist die Vorderseite gehalten, zu sehen ist nur die Rückansicht eines kleinen Jungen, der in die Seiten zu linsen scheint, neugierig darauf, was das Heft diesmal zu bieten hat. Zwei Mal jährlich erscheint die LAUFSCHRIFT (pro Ausgabe 3,50 Euro, Abopreis für vier Hefte 14 Euro), deren dreizehnte Ausgabe es gerade noch vor Weihnachten in die Regale der Buchläden schaffte.
Junge, meist unbekannte Autoren finden in der LAUFSCHRIFT ein Forum. Die derzeit sieben Redaktionsmitglieder redensich in ihren Sitzungen die Köpfe heiß und wählen […], welche Texte Eingang in die jeweilige Ausgabe finden. Dabei werden jedoch nicht nur deutsche Schriftsteller berücksichtigt; in der vorherigen LAUFSCHRIFT kamen venezolanische Lyriker zu Wort, dieses Mal konzentriert sich die Auswahl wieder auf Literaturaus deutschen Landen.
Tristesse scheint dabei das vorherrschende Motto zu sein; nicht nur die Fotografien von Frank Witschass verbreiten traurige Stimmung und nassgraue Trübsal. Die abgedruckten Bilder sind seinem Zyklus „Feinkost Albrecht“ entnommen und zeigen verlassene Aldi-Märkte an einem Sonntag. Keine Spur von beflissener Geschäftigkeit. Besonders fröhlich geht es indem ersten Text […] von […] Maren Burghard, beileibe auch nicht zu. „Ein Mann wohnt seit zwölf Wochen in meinem Bett“, so der Titel, erzählt von einer Frau, die ihre Fantasien von einer glücklichen Beziehung auf einen Mann projiziert, der in ihrem Bett wohnt und Karatefilme sieht. […]
Depressionen im wahrsten Sinne des Wortes auch in Martina Wildners Erzählung „Ist alles normal“. Miriam heißt die Hauptperson, ein Teenager, der in der psychiatrischen Abteilung eines Krankenhauses lebt. Glaubwürdig, in deutlicher, klarer Sprache […] schildert Wildner den kargen Alltag im „Gefängnis für Kinder, die nicht so sind, wie sie sein sollen“. Es handelt sich […] aber um eine Geschichte, genau wie sie sein soll. Am liebsten möchte man am Ende noch mehr über Miriam und ihre „verrückten“ Freunde wissen.
Der Schwerpunkt der Ausgabe liegt aber auf Lyrik. […] Tom Schulz aus Berlin reflektiert in „Die Dichter, in Nähkränzchen“ über das Schreiben von Gedichten und proklamiert: „Beförderung nur mit gültigen Versen!“
Redakteur Martin Langanke behandelt in seinem Dossier „Zwischen Reflexion und Impression“ junge deutschsprachige Lyrik […]. Leider muss er feststellen, dass für diese [Textsorte…] kein Platz mehr zu sein scheint auf dem deutschen Markt. Die Verlage reduzieren die Produktion auf etwa einen Band pro Jahr oder bringen nur noch Auflagen von unter 500 Stück heraus. Auch im Literaturbetrieb gilt heute: Ohne Vitamin B geht nichts. Die Ausnahmen von der Regel liefert Langanke gleich mit und stellt Gedichte der drei „poetae docti“ Christian Lehnert, Armin Senser und Jan Wagner vor.
Um der Tristesse nicht vollends das Feld zu überlassen, seien noch die Beiträge von Improtheater-Veteran Sigi Wekerle erwähnt. „Wie ein Loch ohne Arsch/wie ein Bunt ohne Barsch“ fühlt sich das Lyrische ich „ohne Dich“. […] Schließlich soll nicht der Eindruck entstehen, das Lesen der LAUFSCHRIFT fördere Depressionen. Ganz im Gegenteil.
Fürther Nachrichten, Mittwoch, 22. Januar 2003