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oberfläche, glatte schrift, s/w-photographien, jedesmal
ein oberthema oder ein dossier. vierzehn ausgaben liegen von
der laufschrift mittlerweile vor, und es scheint weiter zu
gehen, mit dichtern wie Mirko Bonné, Tom Schulz, Maren
Burghard, René Hamann macht dasja auch freude. viele
autoren tauchen immer mal wieder auf, wie in einer kneipe,
und manchmal bricht das wirkliche leben in die dichter-schenkeein:
Aglaya Veteranyi wird nach ihrem suizid noch einmal mit nachruf
und textabdruck geehrt, fräulein Burghard erzählt
sozusagen beim bier in einer sehr poetischen lakonie von einem
mann, der seit 12 wochen in ihrem bett wohnt:„er rasiert
sich mit dem rasierer, den ich für beine und achseln
nehme. in meinem bett liegt er und sieht karatefilme. mehr
braucht er nicht, sagt er. wenn ich ihn artig bitte, bleibt
er noch eine nacht.“ unheimlich, wie hier die abhängigkeiten
einer liebes- oder lebensbeziehung ganz am rande herausgearbeitet
werden. latente gewalt in jeder kleinen aussage.ähnlich
beeindruckend in laufschrift 13 Christine Marendons „unaufhaltsam“,
eine landvermessung hinter der frontlinie einer globalen apokalypse.
man hört von fern das grollenund donnern, irrt durch
einen dschungel, findet verbogene lanzen, schwimmt durch wüsten,
bleibt ehrfürchtig vor einem eisriesen stehn. vielleichts
ists aber auch bereits der blick aus dem jenseits auf die
letzten tage, stunden: „wir waren zehn. und noch mehr.
die lichter füllten die räume und krochen die wände
hinauf. bestündest du aus korn. wärst du ein vogel.
ein ei. die halskrause des apothekers. In dunklen wäldern
verstecke unter den wurzeln. unsere knochen tauschen wir gegen
luft.“ Bonnés eher sprödes und aus einer
dumont-veröffentlichung bereits bekanntes scherbengericht
leitet dann fein über zu den aldi-welten von FrankWitschass
– ein zyklus trostlose supermarkts-ansichten am sonntag,
quer durchs heft. jede laufschrift bietet drei, vier seiten
rezensionen, in nr. 13 widmet sich ein Langanke’scher
essay der jungen deutschsprachigen lyrik 1999-2001 […].
heft 12 stellt ua. junge venezolanische poesie sowie den georgischen
dichter Galktion Tabidse vor: „noch nie wurde ein so
leiser mond geboren! /die harfe der dämmerung ist mit
schweigen bekleidet.“ Hierzulande völlig unbekannt,
gilt der dichter leichter David-hymnen in seiner heimat als
großer mann. und wer die laufschrift noch nicht kennt,
sollte unbedingt ein auge reinwerfen.
Kritische Ausgabe - Zeitschrift für
Germanistik & Literatur 7 (2/2003), 58
Ungewöhnlich lange musste die kleine Fangemeinde der
gewöhnlich zwei Mal jährlich erscheinenden LAUFSCHRIFT
auf die brandneue Ausgabe des Fürther Literaturmagazins
warten. Erst ein Zuschuss der Stadt und die generöse
Spende eines Lesers beendeten die Finanzmisere und erlaubten
es den acht Redakteuren, die erste LAUFSCHRIFT des Jahres
2003 fertig zu stellen. Gelohnt hat sich die Wartezeit allemal,
denn wie immer besticht das Magazin mit einer Auswahl kleiner
literarischer Perlen.
Überraschend, weil ungewöhnlich gewählt ist
diesmal das Schwerpunktthema: Um die Literatur der Sorben
geht es in Balduin Winters Dossier "Täuber Ingwer
Pfeffer Pferd: Die Sorben - Deutschlands unbekannteste Bewohner".
Die kleine slawische Volksgruppe führt im Osten Deutschlands
eine Randexistenz. Ein vergessenes Volk also, über dessen
Sprache und Kultur die wenigsten Deutschen etwas wissen. Ganz
zu schweigen von der Literatur des Volkes ohne Heimat, das
Ende des 10. Jahrhunderts seine Eigenständigkeit verlor
und seitdem durch eine "Geschichte der Willkür,
Unterdrückung und Widerstand" gezeichnet ist.
Die Sorben sind in erster Linie Lyriker, einige Beispiele
für das Schaffen sorbischer Dichter aus dem 20. Jahrhundert
sind zusätzlich im Dossier abgedruckt. Im Original und
in der deutschen Übersetzung findet sich ein Gedicht
von Jurij Khezka (1917-1944), der mit "Zelene zet"
dem letzten Buchstaben im Alphabet ein lyrisches Denkmal setzt.
Nicht nur den Sorben wird in der aktuellen LAUFSCHRIFT eine
Stimme gegeben, zu Wort kommen wie immer auch vorwiegend aus
Deutschland stammende junge Lyriker und Kurzprosaisten.
Auffallend hochprozentig geht es dabei zu [...]. Der in Berlin
lebende Laslo Scholtze (Jahrgang 1978) legt mit dem unaussprechlichen
"Skrjavschtschin" eine ironisch-heitere Geschichte
vor, die den Weg des gleichnamigen, frisch zubereiteten russischen
Fisches von Magen über Dachrinne bis in die Kanalisation
verfolgt.
Auch Guy Helmingers Gedicht "Innerung" erzählt
von einer alkoholgeschwängerten Nacht, an deren Ende
eine altbekannte Frage steht: "Aber wie, verflucht nochmal,
bin ich nach Haus gekommen?" Zu guter Letzt sei noch
Eva Englers Text "Lischke. Der Anfang" erwähnt.
Engler beschreibt in schonungsloser Prosa den ganz "normalen",
verstörenden Alltag einer Gruppe von jungen Berlinern.
Die Mischung der 14. Ausgabe der LAUFSCHRIFT ist wie immer
bunt, die Texte angenehm sorgfältig ausgewählt.
[Auch...] fürs Auge ist diesmal [wieder] etwas dabei.
Martin Wildner, selbst schon als Autorin in der LAUFSCHRIFT
Nummer 13 vertreten, liefert diesmal eine Reihe von Grafiken,
die genau wie manches Gedicht oder der eine oder andere Satz
beim Durchblättern des Magazins im Gedächtnis haften
bleiben.
Fürther Nachrichten, Samstag/Sonntag,
30./31. August 2003
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