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Zur LAUFSCHRIFT 14
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Dossier Junge
deutschsprachige Lyrik

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Dossier Junge
Venezolanische Poesie

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Zur LAUFSCHRIFT 7
Exit

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Zur LAUFSCHRIFT 1
50 Jahre Kriegsende

 

 
Zur LAUFSCHRIFT 14

glatte oberfläche, glatte schrift, s/w-photographien, jedesmal ein oberthema oder ein dossier. vierzehn ausgaben liegen von der laufschrift mittlerweile vor, und es scheint weiter zu gehen, mit dichtern wie Mirko Bonné, Tom Schulz, Maren Burghard, René Hamann macht dasja auch freude. viele autoren tauchen immer mal wieder auf, wie in einer kneipe, und manchmal bricht das wirkliche leben in die dichter-schenkeein: Aglaya Veteranyi wird nach ihrem suizid noch einmal mit nachruf und textabdruck geehrt, fräulein Burghard erzählt sozusagen beim bier in einer sehr poetischen lakonie von einem mann, der seit 12 wochen in ihrem bett wohnt:„er rasiert sich mit dem rasierer, den ich für beine und achseln nehme. in meinem bett liegt er und sieht karatefilme. mehr braucht er nicht, sagt er. wenn ich ihn artig bitte, bleibt er noch eine nacht.“ unheimlich, wie hier die abhängigkeiten einer liebes- oder lebensbeziehung ganz am rande herausgearbeitet werden. latente gewalt in jeder kleinen aussage.ähnlich beeindruckend in laufschrift 13 Christine Marendons „unaufhaltsam“, eine landvermessung hinter der frontlinie einer globalen apokalypse. man hört von fern das grollenund donnern, irrt durch einen dschungel, findet verbogene lanzen, schwimmt durch wüsten, bleibt ehrfürchtig vor einem eisriesen stehn. vielleichts ists aber auch bereits der blick aus dem jenseits auf die letzten tage, stunden: „wir waren zehn. und noch mehr. die lichter füllten die räume und krochen die wände hinauf. bestündest du aus korn. wärst du ein vogel. ein ei. die halskrause des apothekers. In dunklen wäldern verstecke unter den wurzeln. unsere knochen tauschen wir gegen luft.“ Bonnés eher sprödes und aus einer dumont-veröffentlichung bereits bekanntes scherbengericht leitet dann fein über zu den aldi-welten von FrankWitschass – ein zyklus trostlose supermarkts-ansichten am sonntag, quer durchs heft. jede laufschrift bietet drei, vier seiten rezensionen, in nr. 13 widmet sich ein Langanke’scher essay der jungen deutschsprachigen lyrik 1999-2001 […]. heft 12 stellt ua. junge venezolanische poesie sowie den georgischen dichter Galktion Tabidse vor: „noch nie wurde ein so leiser mond geboren! /die harfe der dämmerung ist mit schweigen bekleidet.“ Hierzulande völlig unbekannt, gilt der dichter leichter David-hymnen in seiner heimat als großer mann. und wer die laufschrift noch nicht kennt, sollte unbedingt ein auge reinwerfen.
Kritische Ausgabe - Zeitschrift für Germanistik & Literatur 7 (2/2003), 58

Ungewöhnlich lange musste die kleine Fangemeinde der gewöhnlich zwei Mal jährlich erscheinenden LAUFSCHRIFT auf die brandneue Ausgabe des Fürther Literaturmagazins warten. Erst ein Zuschuss der Stadt und die generöse Spende eines Lesers beendeten die Finanzmisere und erlaubten es den acht Redakteuren, die erste LAUFSCHRIFT des Jahres 2003 fertig zu stellen. Gelohnt hat sich die Wartezeit allemal, denn wie immer besticht das Magazin mit einer Auswahl kleiner literarischer Perlen.
Überraschend, weil ungewöhnlich gewählt ist diesmal das Schwerpunktthema: Um die Literatur der Sorben geht es in Balduin Winters Dossier "Täuber Ingwer Pfeffer Pferd: Die Sorben - Deutschlands unbekannteste Bewohner". Die kleine slawische Volksgruppe führt im Osten Deutschlands eine Randexistenz. Ein vergessenes Volk also, über dessen Sprache und Kultur die wenigsten Deutschen etwas wissen. Ganz zu schweigen von der Literatur des Volkes ohne Heimat, das Ende des 10. Jahrhunderts seine Eigenständigkeit verlor und seitdem durch eine "Geschichte der Willkür, Unterdrückung und Widerstand" gezeichnet ist.
Die Sorben sind in erster Linie Lyriker, einige Beispiele für das Schaffen sorbischer Dichter aus dem 20. Jahrhundert sind zusätzlich im Dossier abgedruckt. Im Original und in der deutschen Übersetzung findet sich ein Gedicht von Jurij Khezka (1917-1944), der mit "Zelene zet" dem letzten Buchstaben im Alphabet ein lyrisches Denkmal setzt. Nicht nur den Sorben wird in der aktuellen LAUFSCHRIFT eine Stimme gegeben, zu Wort kommen wie immer auch vorwiegend aus Deutschland stammende junge Lyriker und Kurzprosaisten.
Auffallend hochprozentig geht es dabei zu [...]. Der in Berlin lebende Laslo Scholtze (Jahrgang 1978) legt mit dem unaussprechlichen "Skrjavschtschin" eine ironisch-heitere Geschichte vor, die den Weg des gleichnamigen, frisch zubereiteten russischen Fisches von Magen über Dachrinne bis in die Kanalisation verfolgt.
Auch Guy Helmingers Gedicht "Innerung" erzählt von einer alkoholgeschwängerten Nacht, an deren Ende eine altbekannte Frage steht: "Aber wie, verflucht nochmal, bin ich nach Haus gekommen?" Zu guter Letzt sei noch Eva Englers Text "Lischke. Der Anfang" erwähnt. Engler beschreibt in schonungsloser Prosa den ganz "normalen", verstörenden Alltag einer Gruppe von jungen Berlinern.
Die Mischung der 14. Ausgabe der LAUFSCHRIFT ist wie immer bunt, die Texte angenehm sorgfältig ausgewählt. [Auch...] fürs Auge ist diesmal [wieder] etwas dabei. Martin Wildner, selbst schon als Autorin in der LAUFSCHRIFT Nummer 13 vertreten, liefert diesmal eine Reihe von Grafiken, die genau wie manches Gedicht oder der eine oder andere Satz beim Durchblättern des Magazins im Gedächtnis haften bleiben.
Fürther Nachrichten, Samstag/Sonntag, 30./31. August 2003