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zehn Jahren gibt es die LAUFSCHRIFT, eine überregionale
Literaturzeitschrift, deren Profil darin besteht, den deutschsprachigen
Kulturraum in der Region präsent zu machen, oder, wie
der Fürther Redakteur Martin Langanke es ausdrückt,
„die Welt ins Lokale zu holen“. Mit Lesungen aus
der aktuellen 15. Ausgabe präsentierte sich das Magazin
jetzt in der Kleinen Halle des Kulturforums. Meist sind es
jüngere, ambitionierte Autoren, deren Texte in der Zeitschrift
abgedruckt werden, in einem Rahmenteil aus Lyrik und Prosa,
der um ein thematisches Dossier gruppiert ist, das sich häufig
„den kleinen Literaturen der Welt“ widmet.
Im neuen Heft ist Bulgarien das Thema. Andreas Vilter gibt
die humorvolle Kostprobe eines mündlich tradierten Textes
über zweijunge Männer, die in ihrer Heimatstadt
die Gleise des stillgelegten Bahnhofes für ihr Geschäft
stehlen wollen; nur, dass der Bahnhof nicht aufzufinden ist
– gestohlen, fein säuberlich und ohne Rückstände
weggeschafft. „Bulgarien, die Preußen des Balkans“,
sinniert die Erzählerin und fügt augenzwinkernd
an: „Aber wir wären keine Bulgaren, wenn wir das
nicht auf unsere Art auslegen würden.“
Einen bitterbösen Blick auf das Leben eines Azubis in
einem deutschen Betrieb bietet Dubravka Werneckes „Hierarchie“,
vom Zorndiktierte Abrechnung mit Duckmäuserei und Schikane.
Katia Tangians lyrische Prosa, gelesen von Maren Burghard,
besticht durch eine komisch-melancholische Verbindung von
Naivität und Realismus. Reflexionen übergriechisches
Drama und die alten Griechen („Die Frauen hatten kleine,
spitze Brüste und überhaupt keine Arme. Auch den
Männern fehlte einiges.“) verbinden sich mit Lebenserfahrungen,
mit dem Warten auf einen Mann, der nie auftaucht, mit der
Übermacht des Alltäglichen vor dem Poetischen.
Fürther Nachrichten, Dienstag,
15. Februar 2005
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